Solarthermie nach der Rekordhitze: Stagnation, Solarflüssigkeit und Anlagendruck jetzt prüfen

Westech Solar e.U.
2026-08-07 17:52:00

Auf einen Blick

  • Im Sommer 2026 wurden in Wien-Stammersdorf 41 Grad gemessen – der höchste jemals in Österreich registrierte Wert. Für thermische Solaranlagen waren das Tage im Dauerstillstand.
  • Stagnation ist kein Defekt, sondern ein normaler Betriebszustand. Sie belastet aber die Solarflüssigkeit, und diese Belastung summiert sich über die Jahre.
  • Der wichtigste Messwert ist der pH-Wert: Er muss über 7,0 im alkalischen Bereich bleiben. Frisches Solarfluid liegt bei etwa 8,2, stark gealtertes bei etwa 6,8.
  • Ob eine Anlage die Hitze gut wegsteckt, entscheidet die Verrohrung: Ein leer drückendes Kollektorfeld schont Flüssigkeit und Bauteile, ein leer kochendes belastet beide massiv.
  • Sechs Prüfpunkte lassen sich in einer knappen Stunde abarbeiten – der Rest ist Sache des Installateurs. Nachfüllen mit Wasser ist dabei nie eine Option.
Lesedauer: ca. 11 Minuten

Was der Hitzerekord 2026 für Solaranlagen bedeutet

CPC-Vakuumröhrenkollektor auf einem Flachdach unter greller Hochsommersonne mit Hitzeflimmern über den Röhren
Tage wie beim Hitzerekord 2026 bringen Kollektoren in den Dauerstillstand: voller Speicher, volle Einstrahlung, kein Wärmeabnehmer.

Im Sommer 2026 meldete die Messstation Wien-Stammersdorf 41 Grad. Laut den Daten der GeoSphere Austria ist das der höchste jemals in Österreich gemessene Wert; der bisherige Rekord von 40,5 Grad stammte aus dem Jahr 2013 aus Bad Deutsch-Altenburg. Die GeoSphere hatte für Wien, das Nordburgenland und den Nordosten Niederösterreichs die höchste Warnstufe Rot ausgegeben, unter anderem weil es in den Nächten kaum abkühlte.

Für eine thermische Solaranlage ist so eine Woche ein Ausnahmezustand, den man ihr nicht ansieht. Der Speicher ist spätestens am späten Vormittag durchgeladen, die Regelung schaltet die Solarpumpe ab, und der Kollektor bleibt in der prallen Sonne stehen. Genau das ist Stagnation. Sie passiert jedes Jahr, aber nicht jedes Jahr über mehrere Tage bei nahezu wolkenlosem Himmel und ohne nächtliche Abkühlung.

Der Punkt ist nicht, dass jetzt etwas kaputt wäre. Der Punkt ist, dass sich thermische Belastung aufaddiert und man den Zustand einer Solaranlage nicht durch Hinschauen erkennt. Man erkennt ihn an drei Messwerten – und genau die prüft in vielen Häusern seit Jahren niemand mehr.

Stagnation ist normal – und trotzdem ein Belastungsfall

Der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie beschreibt es in seinem Informationsblatt zur Betriebssicherheit thermischer Solaranlagen sehr nüchtern: Die Energiequelle der Solartechnik, also der „Brenner“, lässt sich nicht abschalten. Ein Betriebszustand, in dem die Kollektoren bis zur Stillstandstemperatur aufheizen, ist deshalb normal. Auch die Dampfbildung im Kollektor gilt als normaler Betriebszustand, unabhängig von Kollektorart, Kollektorfläche und Betriebsweise.

Wie heiß es dabei wird, überrascht viele Hausbesitzer. Handelsübliche Flachkollektoren erreichen auf dem Prüfstand Stillstandstemperaturen von deutlich über 200 Grad, bei Vakuumröhrenkollektoren liegen sie über 260 Grad. In unseren eigenen Datenblättern steht für die CPC-Vakuumröhrenkollektoren der HY-H58-Serie eine Stagnationstemperatur von 210 Grad, für die WT-B58-Serie 239 Grad – bei einer maximalen Betriebstemperatur von jeweils 100 Grad. Diese Differenz zwischen Betriebs- und Stillstandstemperatur ist der eigentliche Belastungsbereich.

Auslöser für den Stillstand ist meistens ein voller Speicher. Es können aber auch ein Stromausfall oder ein technischer Defekt sein – und dann steht die Anlage, ohne dass es jemand mitbekommt. Genau deshalb ist ein Urlaub im Hochsommer für Solaranlagen die riskanteste Zeit des Jahres: Niemand zapft Warmwasser, der Speicher bleibt voll, die Anlage stagniert tagelang.

Praxis-Tipp: Eine niedrig eingestellte Speicher-Maximaltemperatur wirkt auf den ersten Blick wie ein Verbrühschutz, ist aber kontraproduktiv. Unter 60 Grad sinkt die Speicherkapazität, der Nachheizbedarf steigt – und die Stagnationszeiten nehmen deutlich zu. Besser ist eine höhere Speichertemperatur in Kombination mit einem thermostatischen Mischventil, das die Temperatur im Warmwassernetz begrenzt.

Warum die Solarflüssigkeit altert: Säure, Sauerstoff, Zunder

Wärmeträger in praktisch jeder Solaranlage in Österreich ist ein Gemisch aus Wasser und Propylenglykol. Unsere eigene Solarflüssigkeit ist ein Konzentrat mit rund 93 Prozent Propylenglykol plus Korrosionsinhibitoren und Stabilisatoren; 47 Prozent Konzentrat auf 53 Prozent Wasser ergeben Frostschutz bis etwa minus 30 Grad, unter 33 Prozent Konzentration darf man nicht gehen.

Bei Überhitzung beginnt in diesen Gemischen eine langsame Zersetzung, und je höher die Fluidtemperatur, desto schneller läuft sie ab. Dabei entstehen organische Säuren. Die dem Fluid zugesetzten alkalischen Bestandteile neutralisieren diese Säuren – verbrauchen sich dabei aber. Genau das ist der Verschleißmechanismus: Nicht das Glykol geht aus, sondern der Puffer, der die Anlage vor Korrosion schützt.

Sauerstoff beschleunigt diesen Abbau zusätzlich. Er gelangt beim Befüllen ins System, über nicht gasdichte Dichtungen und aus einer Quelle, die selbst Fachbetriebe gerne übersehen: Zunder auf den Innenflächen von Kupferrohrleitungen. Der entsteht beim Löten – oder wenn ein unbefüllter Kollektor ungeschützt und ohne Abdeckung längere Zeit in der Sonne steht.

Treffen Überhitzung und Oxidation zusammen, werden die schützenden Bestandteile sehr rasch verbraucht. Das Fluid überaltert. Es wird nicht nur korrosiv, es bilden sich auch teerartige Zersetzungsprodukte, die sich nicht mehr lösen und im Solarkreis zu Verklebungen bis hin zur Zerstörung der Anlage führen können. Wer schon einmal eine verklebte Solarstation zerlegt hat, weiß, warum das kein Nebenschauplatz ist.

Leer drückend oder leer kochend: die entscheidende Weichenstellung

Warum manche Anlagen nach fünfzehn Jahren noch einwandfreies Fluid haben und andere nach acht Jahren braune Brühe, hat weniger mit dem Kollektor zu tun als mit der Verrohrung. Fachlich unterscheidet man leer drückende und leer kochende Kollektorfelder.

Im leer drückenden Feld schiebt die entstehende Dampfblase den Wärmeträger relativ schnell über Vor- und Rücklauf aus dem Kollektor. Je schneller das geht, desto geringer sind thermische Belastung des Fluids, Dampfvolumen und Dampfreichweite. Ist der Kollektor mit Dampf gefüllt, heizt er sich bis zur Stagnationstemperatur auf und bleibt dort, bis die Einstrahlung nachlässt und die Dampfblase kondensiert. Das verdrängte Volumen nimmt das Membran-Druckausdehnungsgefäß auf und drückt es danach zurück – die Anlage ist wieder betriebsbereit.

Im leer kochenden Feld dagegen wird der Wärmeträger nicht vollständig verdrängt, sondern kann den Kollektor nur als Dampf verlassen. Er kocht also entsprechend lange vor sich hin. Bei glykolhaltigen Wärmeträgern kommt es dabei zur Aufkonzentration: Der Siedepunkt steigt immer weiter, die thermische Belastung nimmt zu, und das maximale Dampfvolumen ist deutlich größer als beim leer drückenden Feld.

Der bauliche Unterschied ist erstaunlich klein. Entscheidend ist, ob die Rohrleitungen von den Kollektoranschlüssen fallen oder steigen. Steigende Leitungen und ungünstig geführte Rohre bilden Flüssigkeitssäcke, aus denen während der Stillstandsphase ständig Fluid in den heißen Kollektor nachfließt und dort neuen Dampf bildet. Wer bei einer bestehenden Anlage die Ursache für auffällig schnell alterndes Fluid sucht, sollte zuerst dort hinschauen und nicht beim Kollektorfabrikat.

Merkmal Leer drückendes Kollektorfeld Leer kochendes Kollektorfeld
Rohrführung ab Kollektoranschluss fallend steigend
Verdrängung bei Dampfbildung schnell, über Vor- und Rücklauf langsam, nur als Dampf
Dampfvolumen gering deutlich größer
Glykol-Aufkonzentration kaum ja, mit steigendem Siedepunkt
Belastung der Solarflüssigkeit niedrig hoch

Der Check nach der Hitzewelle: sechs Punkte

Der BDH unterscheidet zwischen jährlicher Inspektion und einer erweiterten Wartung alle drei bis fünf Jahre. Die folgenden sechs Punkte sind der Kern der jährlichen Inspektion, und die Wochen nach einer Hitzeperiode sind der beste Zeitpunkt dafür – rechtzeitig vor der Frostperiode, solange man an Werten noch etwas ändern kann.

1. pH-Wert messen

Der pH-Wert muss stets im alkalischen Bereich über 7,0 liegen; Herstellerangaben gehen vor. Oberhalb dieses Werts ist das Korrosionsrisiko deutlich reduziert, darunter besitzt das Solarfluid keine ausreichende Korrosionsschutzwirkung mehr und muss ausgewechselt werden. Zur Orientierung: Frisches Solarfluid liegt typischerweise bei etwa pH 8,2, stark gealtertes bei etwa 6,8. Wichtig: Nur Messgeräte verwenden, die der Hersteller dafür zugelassen hat.

2. Frostschutzgrenze prüfen

Der Frostschutzwert wird gemeinsam mit dem pH-Wert erfasst und mit Sollwert und Vorjahreswert verglichen. Der Vorjahresvergleich ist der eigentliche Erkenntnisgewinn – ein einzelner Messwert sagt wenig, ein Trend über drei Jahre sagt alles. Auch hier gilt: nur vom Hersteller zugelassene Messmittel.

3. Anlagenbetriebsdruck mit dem Sollwert vergleichen

Abweichungen nach oben sind plausibel, weil sich die Solarflüssigkeit bei Erwärmung ausdehnt. Abweichungen nach unten sind es nicht. Wird ein Druckabfall festgestellt, der sich nicht erklären lässt, muss die Ursache gefunden werden – Undichtheiten im Kollektorbereich, ein angesprochenes Sicherheitsventil oder ein gesunkener Vordruck im Ausdehnungsgefäß kommen infrage.

4. Sicherheitsventil und Auffangbehälter kontrollieren

Ausdehnungsgefäß und Sicherheitsventil müssen laut BDH nicht gesondert geprüft werden, solange der Anlagenbetriebsdruck stimmt und das Ventil keine Anzeichen eines Ansprechens zeigt. Genau diese Anzeichen sucht man: Ablagerungen, Tropfen, oder ein gestiegener Füllstand im Auffangbehälter. Nach einer Hitzewelle lohnt der Blick besonders.

5. Alle Entlüftungsorgane entlüften

Für den langfristig sicheren Betrieb ist eine permanente Entlüftung notwendig. Indizien für ausreichende Entlüftung sind eine konstante Volumenstromanzeige und ein stabiler Druck während des Pumpenbetriebs – weder Durchflussmesser noch Manometer dürfen schwanken. Ein hörbares Rauschen oder Gluckern in der Pumpe deutet auf Luft hin.

6. Regelung und Protokolle plausibilisieren

Die Betriebsprotokolle des Reglers geben preis, wie oft und wie lange die Anlage tatsächlich stand: maximale Kollektortemperatur, maximale Speichertemperatur, Ertragssumme. Bei den Schaltwerten gilt als Richtwert eine Einschalt-Temperaturdifferenz von 6 bis 8 Kelvin und eine Hysterese über 2 Kelvin, damit die Pumpe nicht taktet und die Wärme aus dem Kollektor auch wirklich im Speicher ankommt.

Praxis-Tipp: Notieren Sie die Werte in einem simplen Protokoll – Datum, pH, Frostschutz, Anlagendruck, Kollektor-Maximaltemperatur. Erst der Vergleich über mehrere Jahre zeigt, ob eine Anlage stabil läuft oder schleichend altert. Ohne Vorjahreswert ist eine pH-Messung nur eine Momentaufnahme.

Wann die Solarflüssigkeit wirklich getauscht gehört

Das Wärmeträgermedium ist ein Betriebsmittel und unterliegt normalem Verschleiß. Frost- und Korrosionsschutzzusätze altern und verbrauchen sich. Ein pauschales Intervall gibt es deshalb nicht – der BDH formuliert es so, dass es nicht ungewöhnlich sei, wenn das Solarfluid nach zehn bis zwölf Jahren ausgewechselt werden muss. Je nach Belastung durch Überhitzung und Oxidation kann der Verschleiß aber deutlich schneller gehen.

Handfeste Tauschkriterien sind:

  • pH-Wert unter dem Grenzwert des Herstellers, oder ein deutliches Absinken gegenüber dem Vorjahr – dann ggf. tauschen, bevor der Grenzwert unterschritten ist.
  • Deutliche Braunverfärbung und stechender Geruch. Beides gilt als Indiz für Überalterung.
  • Frostschutzgrenze nicht mehr ausreichend für den Standort.

Im Zweifelsfall lohnt eine Probe, die an den Hersteller geschickt und dort fachgerecht analysiert wird. Und noch eine Regel, die in der Praxis oft gebrochen wird: Unterschiedliche Solarflüssigkeiten zu mischen ist nur in Absprache mit dem Hersteller beziehungsweise nach dessen Angaben zulässig. Wer „irgendein Solarfluid“ nachkippt, riskiert genau die Ausfällungen, die er verhindern wollte.

Druckhaltung: Ausdehnungsgefäß, Vorschaltgefäß, Sicherheitsventil

Ob eine Anlage die Stagnation schadlos übersteht, hängt am Zusammenspiel von Fülldruck, Anlagenbetriebsdruck, Vordruck im Ausdehnungsgefäß und Ansprechdruck des Sicherheitsventils. Die Faustregeln dafür sind klar dokumentiert.

Größe Regel
Systemüberdruck an höchster Stelle (kalt) 0,7 bis 1,5 bar (Herstellerangaben beachten)
Zuschlag statische Höhe + 0,1 bar je Meter zwischen Manometer und höchstem Anlagenpunkt
Fülldruck Anlagenbetriebsdruck + rund 0,1 bar (Reserve für die Entlüftung)
Vordruck Ausdehnungsgefäß mindestens 0,3 bar unter dem Anlagenbetriebsdruck
Ansprechdruck Sicherheitsventil öffnet beim Ansprechdruck, der den maximal zulässigen Betriebsdruck nicht überschreiten darf; voller Hub bei höchstens rund 10 % darüber
Auffangbehälter am Sicherheitsventil mindestens doppelter Kollektorinhalt

Zwei Details werden regelmäßig falsch gemacht. Erstens: Für eine Druckerhöhung im Ausdehnungsgefäß darf keine Luft verwendet werden, sondern nur Stickstoff. Sauerstoff aus der Luft führt im Gefäß zu Korrosion und diffundiert durch die Membran ins Solarfluid, wodurch Anlagendruck und Vordruck sinken und die Alterung beschleunigt wird. Zweitens: Bei kleinen und mittleren Solaranlagen sitzt das Ausdehnungsgefäß auf der Druckseite hinter der Pumpe, und die Schwerkraftbremse muss in Fließrichtung davor liegen, damit die Flüssigkeit im Stagnationsfall auch über den Rücklauf ins Gefäß gedrückt werden kann.

Der Grund, warum es überhaupt ein Vorschaltgefäß gibt: Die maximal zulässige Temperatur eines Ausdehnungsgefäßes wird von der Membran bestimmt und liegt in der Regel bei rund 70 Grad. Kann nicht sicher ausgeschlossen werden, dass heißes Fluid oder gar Dampf das Gefäß erreicht, gehört ein Vorschaltgefäß in die Stichleitung davor. Das ist typischerweise bei kurzen Gesamtrohrleitungslängen der Fall – also klassisch bei Dachheizzentralen. Unsere Solar-Ausdehnungsgefäße sind mit einer EPDM-HT-Hochtemperaturmembran ausgeführt und laut Herstellerangaben bis 140 Grad und 10 bar zulässig; die Vorschaltgefäß-Regel ersetzt das nicht, sie verschiebt nur die Grenze, ab der es kritisch wird.

Zur Größe des Ausdehnungsgefäßes: Das Nutzvolumen muss neben der eigentlichen Wärmeausdehnung vor allem das Volumen jener Bereiche aufnehmen, die im Stagnationsfall mit Dampf gefüllt sind – Kollektor plus Teile der Solarkreisleitung. Im Zweifel ist stets die größere Variante zu wählen, weil ein etwas zu kleines Gefäß im Stagnationsfall zum Ansprechen des Sicherheitsventils führt, mit entsprechend weitläufigen Folgen. Ein Ventil, das einmal Fluid abgeblasen hat, hinterlässt eine Anlage mit zu wenig Füllung und zu wenig Frostschutz.

Für Installateure: Nachfüllen, Spülen, Abdrücken

Wenn nach der Inspektion nachgefüllt oder das Fluid getauscht wird, entscheidet die Sorgfalt bei der Befüllung über die nächsten zehn Jahre. Die wichtigsten Punkte aus der Praxis:

  • Kollektor abdecken. Während Befüllen, Spülen und Abdrücken darf der Kollektor keine Wärme liefern. Entweder abdecken oder bei geringer Einstrahlung arbeiten.
  • Nur mit Wärmeträgermedium arbeiten, nicht mit Wasser vorspülen. Der Anlagenbetriebsdruck darf auch später nie durch Zugabe von Wasser korrigiert werden.
  • Strömungsgeschwindigkeit über 0,4 m/s. Ab dieser Selbstentlüftungsgeschwindigkeit werden Luftanteile vom Fluidstrom mitgerissen. Gespült wird mindestens 20 Minuten, um Zunder, Späne und Lufteinschlüsse herauszubekommen.
  • Langsam anfangen. Erst mit gedrosseltem Volumenstrom füllen, dann schrittweise erhöhen – sonst verschäumt das Solarfluid.
  • Druckprobe: auf 90 Prozent des maximalen Anlagenbetriebsdrucks bringen und mindestens 30 Minuten halten. Glykolgemische verhalten sich bei Leckagen deutlich träger als Wasser, deshalb die lange Haltezeit.
  • Dichtungen und Dämmung: Teflon ist mangels Glykolbeständigkeit ungeeignet, Hanf ist weitgehend zu vermeiden, weil eingehanfte Verbindungen nicht ausreichend gasdicht sind. Dämmmaterial muss mindestens 150 Grad aushalten.
  • Wärmedehnung einplanen: Der Solarkreis durchläuft rund 200 Kelvin Temperaturhub; für Kupferrohr sind 3,4 mm Dehnung pro Meter zu berücksichtigen, auch im Kollektorfeld bei durchgehenden Sammelleitungen.

Eine Spül- und Befülleinheit mit leistungsstarker Pumpe und großvolumigem Vorratsbehälter hat sich dafür klar bewährt – damit lässt sich auf eine Entlüftung an höchster Stelle verzichten, was gerade bei schlecht zugänglichen Kollektorfeldern die halbe Miete ist.

Fazit

Der Hitzerekord 2026 hat gezeigt, wohin sich die Sommer in Österreich entwickeln. Für thermische Solaranlagen heißt das: mehr Stagnationsstunden pro Jahr, mehr thermische Belastung des Wärmeträgers, schnellerer Verbrauch der Korrosionsschutz-Reserve. Das ist kein Grund, an der Technik zu zweifeln – Solaranlagen können jahrzehntelang sicher und effizient laufen. Es ist ein Grund, sie einmal im Jahr zu messen statt nur anzuschauen.

Drei Werte reichen für den Anfang: pH-Wert, Frostschutzgrenze, Anlagendruck. Sind sie im grünen Bereich und stabil gegenüber dem Vorjahr, hat die Anlage die Hitze weggesteckt. Sinkt der pH-Wert von Jahr zu Jahr, ist es Zeit für neues Fluid – und für einen kritischen Blick auf die Verrohrung, denn dort steckt meistens die eigentliche Ursache.

Weiterführend: Wenn Ihre Solaranlage überhaupt keine Wärme mehr liefert, hilft unser Beitrag zur Fehlersuche, wenn die Solaranlage nicht mehr heizt. Wer die Bauarten vergleichen will, findet die Unterschiede in unserem Beitrag zu Vakuumröhrenkollektoren. Und wenn Solarthermie und Wärmepumpe zusammenarbeiten sollen, lohnt der Blick in den Beitrag zur Kombination von Solarthermie und Wärmepumpe. Einen Gesamtüberblick über Heiztechnik im Eigenheim gibt unser Ratgeber für Hausbesitzer. Das Gegenstück auf der Heizungsseite – Anlagendruck und Ausdehnungsgefäß bei der Wärmepumpe – finden Sie im Beitrag zur Druckhaltung vor der Heizsaison.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Stagnation ein Defekt meiner Solaranlage?

Nein. Stagnation ist ein normaler Betriebszustand jeder thermischen Solaranlage. Die Sonne lässt sich nicht abschalten, und sobald der Speicher voll ist, steigt die Kollektortemperatur bis zum Gleichgewicht von Gewinn und Verlust. Auch die Dampfbildung im Kollektor gilt laut BDH als normaler Betriebszustand, unabhängig von Kollektorart und Betriebsweise. Problematisch wird es erst, wenn die Anlage hydraulisch schlecht eingebunden ist oder die Solarflüssigkeit überaltert.

Ab welchem pH-Wert muss die Solarflüssigkeit getauscht werden?

Der pH-Wert muss dauerhaft im alkalischen Bereich über 7,0 liegen; darunter hat das Solarfluid laut BDH keine ausreichende Korrosionsschutzwirkung mehr und muss ausgewechselt werden. Frisches Solarfluid liegt typischerweise bei etwa pH 8,2, stark gealtertes bei etwa 6,8. Maßgeblich ist immer der Grenzwert des jeweiligen Herstellers. Fällt der Wert von Jahr zu Jahr deutlich ab, sollte man schon vor Erreichen des Grenzwerts tauschen.

Wie oft muss Solarflüssigkeit gewechselt werden?

Ein fixes Intervall gibt es nicht, weil der Verschleiß von der thermischen Belastung und vom Sauerstoffeintrag abhängt. Der BDH nennt es nicht ungewöhnlich, wenn das Solarfluid nach zehn bis zwölf Jahren ausgewechselt werden muss. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern der jährlich gemessene Zustand: pH-Wert, Frostschutzgrenze, Farbe und Geruch.

Darf ich Wasser nachfüllen, wenn der Anlagendruck gesunken ist?

Nein. Der Anlagenbetriebsdruck darf nicht durch Zugabe von Wasser korrigiert werden, auch nicht durch den Anlagenbetreiber. Wasser verdünnt den Frostschutz und den Korrosionsschutz. Nachgefüllt wird ausschließlich mit dem passenden Wärmeträgermedium. Vorher ist zu klären, wohin die fehlende Flüssigkeit verschwunden ist, denn bloßes Auffüllen ohne Ursachensuche reicht nicht aus.

Warum darf das Solar-Ausdehnungsgefäß nicht mit Luft aufgepumpt werden?

Für eine Druckerhöhung im Membran-Druckausdehnungsgefäß darf keine Luft verwendet werden, sondern nur Stickstoff. Der Sauerstoff aus der Luft führt im Gefäß zu Korrosion und diffundiert zusätzlich durch die Membran in die Solarflüssigkeit. Das lässt Anlagendruck und Vordruck sinken und beschleunigt die Alterung des Solarfluids.

Wie hoch sind die Stillstandstemperaturen in einem Kollektor wirklich?

Handelsübliche Flachkollektoren erreichen auf dem Prüfstand Stillstandstemperaturen von deutlich über 200 Grad Celsius, bei Vakuumröhrenkollektoren liegen sie über 260 Grad. Bei unseren Vakuumröhrenkollektoren steht im Datenblatt eine Stagnationstemperatur von 210 Grad für die CPC-Ausführung und 239 Grad für die WT-B-Serie, bei einer maximalen Betriebstemperatur von 100 Grad.

Solarflüssigkeit, Ausdehnungsgefäß oder Spüleinheit brauchen?

Solarflüssigkeit, Solar-Ausdehnungsgefäße von 18 bis 100 Litern, Entlüfter, Sicherheitsgruppen und die Spül- und Befülleinheit finden Sie im Bereich Zubehör Solar auf westech.shop. Unsicher, welche Gefäßgröße zu Ihrem Kollektorfeld passt oder ob ein Vorschaltgefäß nötig ist? Schicken Sie uns Kollektorfläche, Rohrleitungslänge und statische Höhe an office@westech-solar.at – wir rechnen das durch.


Quellen und weiterführende Infos: Temperaturrekord: wien.ORF.at, „41 Grad: Allzeithöchstwert gemessen“, auf Basis von Daten der GeoSphere Austria. – Stagnationsverhalten, Alterung der Solarflüssigkeit, pH-Grenzwert, Druckverhältnisse, Inspektions- und Wartungsumfang, Befüll- und Spülvorgaben: BDH Informationsblatt Nr. 34 „Betriebssicherheit thermischer Solaranlagen“, Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie, März 2019. Ansprechdruck Sicherheitsventil nach Herstellerangabe (die früher zitierte DIN 3320 ist zurückgezogen). – Stagnationstemperaturen, Betriebsdrücke und Zusammensetzung der Solarflüssigkeit: Datenblätter und Produktdaten Westech Solar (HY-H58 CPC, WT-B58-1800A, Solarflüssigkeit ZB001, Solar-Ausdehnungsgefäße VS/VSV), Stand 2026. – Die genannten Faustregeln zu Druckverhältnissen und Gefäßauslegung ersetzen keine anlagenspezifische Auslegung durch den Fachbetrieb; Herstellerangaben haben stets Vorrang.


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