Auf einen Blick
- Die Heizgrenze entscheidet, ob geheizt wird. Die Heizkurve entscheidet, wie warm der Vorlauf dabei wird. Zwei Einstellungen, zwei Fragen.
- Richtwerte: ungedämmter Altbau 15 bis 17 Grad, sanierter Bestand 14 bis 16 Grad, Standard-Neubau 12 bis 15 Grad, Passivhaus 9 bis 11 Grad.
- In Österreich rechnet man Heizgradtage üblicherweise mit 20 Grad innen und 12 Grad Heizgrenze (HGT 20/12) – eine Rechengröße, keine Reglereinstellung.
- Zu hoch gesetzt heißt Takten in der Übergangszeit. Zu tief gesetzt heißt ausgekühlter Estrich und ein Morgen, an dem es einfach nicht warm wird.
- Eine gesetzliche Heizperiode gibt es in Österreich nicht. Der 1. Oktober ist Gewohnheit, keine Vorschrift.
Was die Heizgrenze ist – und was sie nicht ist
Jedes Jahr im September kommt dieselbe Frage: Ab wann soll die Wärmepumpe eigentlich wieder heizen? Draußen hat es früh am Morgen sechs Grad, mittags scheint die Sonne auf 21 Grad hoch, und im Wohnzimmer ist es weder kalt noch richtig warm. Der Regler hat für genau diese Situation einen Parameter – er heißt Heizgrenze oder Heizgrenztemperatur, in manchen Menüs auch Sommer-Winter-Umschaltung oder Heizgrenztemperatur Heizbetrieb.
Technisch ist die Heizgrenztemperatur jene mittlere Außentemperatur, unterhalb derer ein Gebäude ohne aktive Heizung nicht mehr auf der gewünschten Innentemperatur bleibt. Oberhalb dieser Schwelle reichen die kostenlosen Gewinne: Sonne durch die Fenster, Abwärme von Menschen, Geräten und Beleuchtung, gespeicherte Wärme in den Bauteilen. Unterhalb reichen sie nicht mehr, und es muss Wärme nachgeschoben werden.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Heizkurve, weil beide an derselben Außentemperatur hängen und deshalb ständig verwechselt werden. Die Heizgrenze beantwortet die Frage ob. Die Heizkurve beantwortet die Frage wie warm. Wer im Oktober an der Heizkurve dreht, weil es im Haus zu warm wird, korrigiert an der falschen Stellschraube – und wundert sich im Jänner, warum das Haus nicht mehr auf Temperatur kommt.
In der österreichischen Energiebilanz taucht dieselbe Größe noch einmal auf, dort aber als Rechengröße. Heizgradtage werden hierzulande üblicherweise mit 20 Grad Innentemperatur und 12 Grad Heizgrenze angegeben, kurz HGT 20/12. Jeder Tag mit einem Tagesmittel von 12 Grad oder weniger zählt als Heiztag. Diese 12 Grad sind eine Konvention für Verbrauchsvergleiche und Abrechnungen – kein Wert, den Sie in den Regler eintippen sollten.
Richtwerte nach Gebäudestandard
Die passende Heizgrenze hängt fast vollständig am Gebäude, nicht am Gerät. Ein gut gedämmtes Haus verliert bei 14 Grad Außentemperatur so wenig Wärme, dass interne und solare Gewinne die Bilanz noch decken. Ein Bestandshaus mit 30 Jahre alter Fassade schafft das nicht. Deshalb liegt die Heizgrenze umso tiefer, je besser die Hülle ist.
| Gebäudestandard | Richtwert Heizgrenze | Was das im Alltag heißt |
|---|---|---|
| Ungedämmter Altbau | ca. 15 bis 17 °C | Heizbetrieb beginnt oft schon Mitte September |
| Teilsanierter oder sanierter Bestand | ca. 14 bis 16 °C | Start meist Ende September bis Anfang Oktober |
| Standard-Neubau nach OIB-Niveau | ca. 12 bis 15 °C | Start typischerweise Mitte Oktober |
| Niedrigenergiehaus | ca. 12 bis 14 °C | Lange Übergangsphase ohne Heizbedarf |
| Passivhaus | ca. 9 bis 11 °C | Heizbetrieb oft erst im November |
Diese Bandbreiten stammen aus der Fachliteratur zur Gebäudetechnik und sind bauphysikalisch auf Österreich übertragbar, weil die zugrunde liegenden Zusammenhänge dieselben sind. Sie sind ausdrücklich Startwerte. Zwei Häuser mit identischem Energieausweis können sich um zwei Grad unterscheiden, wenn eines große Südfenster hat und das andere im Schatten eines Hangs steht.
Praxis-Tipp: Nehmen Sie den Wert aus der Tabelle als Ausgangspunkt und schreiben Sie ihn auf, zusammen mit dem Datum. Wer nach drei Wochen nicht mehr weiß, was vorher eingestellt war, kann eine Änderung nicht bewerten – und dreht im Zweifel wieder zurück.
Wie der Regler tatsächlich umschaltet
Ein häufiges Missverständnis: Der Regler schaut nicht auf die aktuelle Außentemperatur. Wäre das so, würde die Anlage an einem klaren Oktobertag zwischen sieben Uhr früh und zwei Uhr nachmittags mehrfach die Betriebsart wechseln. Stattdessen bildet die Steuerung einen Mittelwert über mehrere Stunden und schaltet erst um, wenn dieser Mittelwert die Schwelle nachhaltig über- oder unterschreitet.
Dazu kommt eine Hysterese, in der Praxis meist rund zwei Kelvin. Wenn die Heizgrenze auf 15 Grad steht, schaltet die Anlage nicht bereits bei 15,1 Grad ab und bei 14,9 Grad wieder ein, sondern erst mit deutlichem Abstand nach oben und unten. Beides zusammen – Mittelung und Hysterese – wirkt wie eine Rückschaltverzögerung: Ein einzelner kühler Nachmittag holt die Anlage nicht aus dem Sommerbetrieb, eine kalte Woche schon.
Wie lang die Mittelungsdauer genau ist, unterscheidet sich je nach Hersteller und steht meist nur im Reglerhandbuch. Ein typischer Wert für die Umschaltung in den Sommerbetrieb liegt bei rund 16 Grad gemittelter Außentemperatur über mehrere Stunden. Praktisch relevant ist vor allem eines: Nach einer Änderung an der Heizgrenze passiert nicht sofort etwas. Wer nach zwei Stunden nachschaut und nichts bemerkt, hat nicht falsch eingestellt, sondern zu früh geschaut.
Zu hoch gesetzt: das Takten im Oktober
Steht die Heizgrenze auf 17 oder 18 Grad, läuft die Wärmepumpe bereits an Tagen an, an denen das Haus praktisch keinen Wärmebedarf hat. Der Verdichter startet, erreicht die Solltemperatur des Vorlaufs innerhalb weniger Minuten, schaltet ab – und beginnt nach kurzer Pause von vorn. Das ist Takten, und in der Übergangszeit ist es besonders ausgeprägt, weil selbst die kleinste Modulationsstufe noch mehr Leistung liefert, als das Gebäude abnimmt.
Kurze Laufzeiten kosten Effizienz, weil jeder Start Anlaufverluste hat und der Kreislauf nie in den stabilen Betriebspunkt kommt. Sie kosten außerdem Lebensdauer. Als Faustwerte gelten in der Fachliteratur ein bis zwei Verdichterstarts pro Betriebsstunde als unauffällig, in Summe grob 2.000 bis 3.000 Starts pro Heizperiode. Deutlich über 4.000 Starts im Jahr wird übereinstimmend als kritisch bewertet. Eine verbindliche Normzahl gibt es nicht, die Größenordnung ist aber quer über die Quellen stabil.
Der Reflex, dagegen die Heizkurve abzusenken, hilft nur scheinbar. Er verschiebt das Problem in den Winter, wo die Vorlauftemperatur dann fehlt. Der richtige Hebel ist die Heizgrenze selbst – zusammen mit ausreichendem Wasserinhalt im System und einer Regelung, die nicht über zugedrehte Einzelraumthermostate gegen die eigene Wärmepumpe arbeitet.
Praxis-Tipp: Viele Regler zeigen die Verdichterstarts als Betriebsstatistik an. Notieren Sie den Zählerstand Anfang Oktober und Ende April. Diese eine Zahl sagt mehr über die Qualität der Einstellung aus als jede Momentaufnahme am Display.
Zu tief gesetzt: der ausgekühlte Estrich
Der umgekehrte Fehler ist seltener, aber unangenehmer. Wer die Heizgrenze aus Sparüberlegungen auf 10 Grad stellt, hält die Anlage in der Übergangszeit über Tage aus. Bei einer Fußbodenheizung wirkt der Estrich als großer, träger Speicher – und der kühlt in dieser Zeit langsam, aber vollständig aus.
Wenn dann ein Wetterumschwung kommt, dauert es nicht Stunden, sondern gut und gerne zwei Tage, bis der Boden wieder auf Temperatur ist. In dieser Phase fordert die Regelung eine hohe Vorlauftemperatur an, um schneller nachzuladen. Genau das drückt den COP, und im ungünstigen Fall schaltet der elektrische Heizstab zu. Am Ende steht ein Betrieb, der teurer ist als das durchgehende Halten auf niedrigem Niveau – bei spürbar schlechterem Komfort.
Bei Heizkörpern ist die Lage entspannter. Radiatoren haben wenig Masse, reagieren in Minuten statt in Tagen und verzeihen eine tiefere Heizgrenze deshalb besser. Die Faustregel lautet: Je träger die Heizfläche, desto weniger lohnt es sich, den Heizbetrieb ganz auszuschalten.
Und die Nachtabsenkung?
Die Nachtabsenkung ist die zweite Gewohnheit, die aus der Gas- und Ölzeit mitgewandert ist. Bei einem Kessel, der jederzeit 70 Grad Vorlauf liefern konnte, war sie sinnvoll: Nachts weniger heizen, morgens kurz kräftig nachlegen. Eine Wärmepumpe funktioniert anders. Sie ist umso effizienter, je niedriger und je gleichmäßiger die Vorlauftemperatur bleibt.
In Kombination mit einer Fußbodenheizung überwiegen die Nachteile fast immer. Der Estrich kühlt in der Nacht ohnehin nur wenig ab, das Wiederaufheizen am Morgen verlangt aber eine höhere Vorlauftemperatur als der Dauerbetrieb – und damit einen schlechteren COP über mehrere Stunden. Herstellerinformationen und Fachbeiträge kommen hier übereinstimmend zum selben Ergebnis: Bei trägen Systemen bringt die Absenkung meist nichts und kostet Komfort.
Bei Heizkörpern kann eine moderate Absenkung im Einzelfall aufgehen. Aber auch dort gilt: nachrechnen statt glauben. Ein Wärmemengenzähler oder ein separater Stromzähler an der Wärmepumpe beantwortet die Frage in zwei Wochen zuverlässiger als jede Diskussion im Forum.
So finden Sie Ihren Wert in einer Saison
Der Weg zur passenden Heizgrenze ist unspektakulär, dauert aber eine Übergangszeit. Beginnen Sie mit dem Richtwert aus der Tabelle für Ihren Gebäudestandard. Beobachten Sie dann drei Dinge: Bleibt es im Wohnraum ohne aktiven Heizbetrieb angenehm? Wie oft startet der Verdichter an milden Tagen? Und wie lange braucht das Haus nach einem Kälteeinbruch, bis es wieder passt?
Wenn die Anlage an milden Tagen ständig kurz anläuft und die Räume trotzdem eher zu warm sind, ist die Heizgrenze zu hoch – ein Grad tiefer, dann wieder eine Woche beobachten. Wenn es an kühlen Vormittagen im Bad unangenehm wird und der Boden sich kalt anfühlt, ist sie zu tief. Verstellen Sie immer nur eine Sache und immer nur in kleinen Schritten. Wer Heizgrenze, Heizkurve und Warmwasserzeiten am selben Wochenende ändert, weiß danach nicht, welche Änderung gewirkt hat.
Eine Randbemerkung zur Rechtslage, weil sie regelmäßig gefragt wird: In Österreich gibt es keine gesetzlich festgelegte Heizperiode. Der oft zitierte Zeitraum 1. Oktober bis 30. April ist eine verbreitete Orientierung. Im Mietrecht geht es um die durchschnittliche Brauchbarkeit des Mietgegenstands, also darum, dass angemessene Raumtemperaturen erreichbar sind. Als Planungsgrundlage gelten die Normtemperaturen aus der Heizlastberechnung nach EN 12831 und ÖNORM H 7500, etwa 20 Grad für Wohn- und Schlafräume und 24 Grad im Bad. Eine Vorschrift, ab welcher Außentemperatur eine Wärmepumpe einzuschalten hat, existiert weder normativ noch förderrechtlich.
Fazit
Die Heizgrenze ist einer der wenigen Parameter, den man einmal im Leben der Anlage sauber einstellt und danach jahrelang in Ruhe lässt. Sie kostet nichts, verlangt keine Montage und entscheidet trotzdem darüber, ob die Wärmepumpe im Oktober sinnvoll arbeitet oder alle zwölf Minuten anläuft. Wer den Richtwert für seinen Gebäudestandard nimmt, ihn über eine Übergangszeit beobachtet und in Ein-Grad-Schritten nachjustiert, hat den Großteil erledigt.
Und wenn die Anlage trotz vernünftiger Heizgrenze weiter taktet, liegt es fast nie an der Einstellung allein. Dann geht es um Wasserinhalt, hydraulischen Abgleich, Einzelraumregelung oder schlicht um eine Wärmepumpe, die für das Haus zu groß dimensioniert wurde. Das ist dann ein anderes Gespräch – aber eines, das sich lohnt.
Häufige Fragen (FAQ)
Welche Heizgrenztemperatur ist die richtige für mein Haus?
Als Richtwerte gelten rund 15 bis 17 Grad im ungedämmten Altbau, 14 bis 16 Grad im sanierten Bestand, 12 bis 15 Grad im Standard-Neubau und 9 bis 11 Grad im Passivhaus. Das sind Startwerte, keine Vorschriften. Der richtige Wert zeigt sich im ersten Übergangsmonat daran, ob es im Haus ohne Nachheizen angenehm bleibt und wie oft der Verdichter startet.
Gibt es in Österreich eine gesetzlich vorgeschriebene Heizperiode?
Nein. Der Zeitraum 1. Oktober bis 30. April ist eine verbreitete Orientierung, keine gesetzliche Vorgabe. Im Mietrecht schuldet der Vermieter die durchschnittliche Brauchbarkeit des Mietgegenstands, also die Möglichkeit, angemessene Raumtemperaturen zu erreichen. Eine feste Außentemperatur-Schwelle steht dort nicht.
Warum taktet die Wärmepumpe gerade im Herbst so oft?
In der Übergangszeit ist der Wärmebedarf klein, die kleinste Leistungsstufe des Verdichters aber immer noch größer als das, was das Haus abnimmt. Die Solltemperatur ist schnell erreicht, der Verdichter schaltet ab und kurz darauf wieder ein. Eine zu hoch gesetzte Heizgrenze verlängert genau diese Phase über Wochen.
Wie viele Verdichterstarts pro Jahr sind noch in Ordnung?
Eine Normzahl gibt es nicht. In Fachquellen gelten grob ein bis zwei Starts pro Betriebsstunde als unauffällig, in Summe etwa 2.000 bis 3.000 Starts pro Heizperiode. Deutlich mehr als 4.000 Starts im Jahr werden übereinstimmend als kritisch für Effizienz und Lebensdauer eingestuft.
Lohnt sich eine Nachtabsenkung bei der Wärmepumpe?
Bei Fußbodenheizung meist nicht. Der Estrich kühlt langsam aus und muss am Morgen mit höherer Vorlauftemperatur wieder aufgeheizt werden, was den COP drückt und im ungünstigen Fall den Heizstab zuschaltet. Bei Heizkörpern kann eine moderate Absenkung sinnvoll sein, sollte aber am eigenen Zählerstand überprüft werden.
Was ist der Unterschied zwischen Heizgrenze und Heizkurve?
Die Heizgrenze entscheidet, ob geheizt wird. Die Heizkurve entscheidet, wie warm der Vorlauf dann wird. Beide arbeiten an derselben Außentemperatur, aber an verschiedenen Fragen. Wer die Heizkurve verstellt, weil es in der Übergangszeit zu warm wird, korrigiert an der falschen Stelle.
Unsicher, ob Ihre Anlage in der Übergangszeit sauber läuft?
Wir schauen uns Heizgrenze, Heizkurve und Taktverhalten gemeinsam mit Ihnen an – auch dann, wenn die Wärmepumpe nicht von uns stammt. Mehr zu den Chofu R290 Monoblock-Geräten finden Sie auf japan-waermepumpe.at oder schreiben Sie uns an office@westech-solar.at.